2006, 2009 und 2012 wurden vom Stuttgarter Feministischen Frauengesundheitszentrum Stuttgart e.V. drei Veranstaltungsreisen in verschiedenen deutschen Städten organisiert mit dem Ziel, Begegnungen herzustellen mit traditionellen Maya-Hebammen (der Organisation OMIECH) aus Chiapas und Hebammen sowie in der Frauenheilkunde engagierte und interessierte Menschen in Deutschland und Frankreich.

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Ein enges Band zwischen Menschen aus Deutschland und der Organisation OMIECH entstand. Mein Interesse als Mitorganisatorin dieser neuen geplanten Reise ist es, den traditionellen Maya-Hebammen aus Mexiko eine Stimme zu geben, deren so wichtige und heilsame Geburtshilfe immer mehr an den Rand gedrängt wird.

Aus meiner Erfahrung als 67jährige Frau sehe ich auch, dass viele der jungen und gut ausgebildeten Menschen hier nicht verstehen, dass wir die Stimme, die Erfahrung und die Ratschläge der indigenen Völker zum Überleben brauchen. Sanft und gewaltfrei geboren zu werden schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass Menschen sich nicht durch Ängste manipulieren lassen und in Verbindung mit ihren Mitmenschen sind.

Die Geburt ist der Anfang eines jeden individuellen Lebens auf dieser Erde

In den hochtechnisierten Gesellschaften mit einer entsprechenden Medizin und Geburtshilfe erscheint auch eine solche existenzielle Situation wie geboren werden oder gebären als ein durch hochtechnisierte Eingriffe immer gut zu bewältigendem Ereignis. Zunehmend gibt es diese Haltung bereits bei einer Schwangerschaft und sogar mittels Reproduktionsmedizin bei der Zeugung. Bei letzterem spricht man von einer „Baby take home“ Rate, ganz so, als sei auch ein Neugeborenes eine Ware.

In der Geburtshilfe lässt sich dieses Bild noch aufrechterhalten, denn die Folgen einer traumatischen Geburt für Mutter und Kind sind auf den ersten Blick nicht sichtbar. Deutlicher wird es, wenn es um die Behandlung schwerer Erkrankungen wie Krebs geht. Auch wenn manche dieser Behandlungen wie eine Operation, eine Chemotherapie oder Bestrahlung, biologische Medikamente usw. durchaus nützliche Instrumente in der Behandlung sein können, sind und bleiben wir Menschen eine sterbliche Spezies und unserer Seele – oder modern ausgedrückt – unser psychoneurologisches System – braucht für eine gute Geburt und für die Genesung die Erfahrung, eingebunden zu sein in die menschliche Gemeinschaft, geliebt, behütet, beschützt zu werden. Unbewältigte Traumata, Empfindungen von Einsamkeit verschlechtern das Apoptose-Programm unserer Zellkommunikation und öffnen schweren Erkrankungen und traumatischen Geburten Tür und Tor.

In vielen traditionellen Medizinkonzepten und der Geburtshilfe sind sich die Menschen sehr bewusst, dass wir alle ein Teil des Gewebes des Lebens sind. Die traditionellen Maya- Hebammen aus dem Hochland von Chiapas haben neben einem großen Pflanzenwissen Erfahrungen darin, das Kind im Bauch der Mutter richtig zu positionieren und ein großes Wissen darin, die Gebärende und das Kind liebevoll in das Leben zu begleiten. Ich habe selbst 2014 in Simojovel, im Hochland von Chiapas an einer Geburt dabei sein dürfen und war überwältigt, wie sanft dieses Kind das Licht der Welt erblickt hat.

Um das Wissen der traditionellen Maya-Hebammen zu bewahren, ist vom Stuttgarter Bellis-Verlag eine Übersetzung von 8 Broschüren der indigenen Organisation OMIECH aus Südmexiko herausgebracht worden. Hier geht’s zum Buch.

Die Veranstaltungsreise soll dazu dienen, dass wir hier und die traditionellen Maya-Hebammen in Kontakt kommen, denn leider gibt es in Mexiko wie auch bei uns viele Bestrebungen, diese Form der Geburtshilfe zu eliminieren. In Mexiko bekommen die Kinder, die von einer traditionellen Hebamme begleitet auf die Welt kommen, Schwierigkeiten, einen Eintrag ins Geburtsregister zu bekommen. Damit sind sie in gewisser Weise nicht existente Menschen, die später Probleme bekommen, wenn sie Ausweispapiere benötigen. In Deutschland ist der Fokus zunehmend ausgerichtet auf eine scheinbar effiziente Geburtshilfe mit der Folge, dass bereits 1/3 aller Geburten durch einen Kaiserschnitt erfolgten. Geburtsabteilungen werden geschlossen, weil sie wenig rentabel sind. Gewalt unter der Geburt ist ein sehr reales, wenngleich tabuisiertes Thema. Hebammen werden immer stärker in diese technisierte Geburtshilfe integriert und gleichzeitig ihre bisherige Handlungsmöglichkeit für eine sanften Geburt begrenzt.

Wir wollen niemand absprechen, diese hochtechnisierte Medizin in Anspruch zu nehmen, aber es gibt ebenso das Recht, sich für einen anderen Weg zu entscheiden und eine Geburtshilfe oder auch Medizin in Anspruch zu nehmen, in der der Mensch mit Körper, Geist und Seele angesprochen wird.

Und wir finden es an der Zeit, den Menschen, die einen anderen, ganzheitlichen, spirituellen Blick auf die Welt und auf die Medizin haben, zuzuhören, und Abstand zu nehmen von unserem häufig neokolonialistischen, kapitalistisch geprägten Blick.

Interview mit Micaeloa Ico Bautista
Dieses Interview ist zuerst erschienen im Buch „Frauenheilkunde der Maya“ im Bellis Verlag und in der neuen Zeitschrift des Berufsverbandes für Heilpraktikerinnen Lachesis. Micaela Ico Bautista stellt in diesem Interview sehr deutlich und schmerzhaft klar, dass sie, die indigenen Organisationen abhängig sind vom Wohlwollen oder auch nicht der NGOs. Ihre Arbeit und zu einem großen Teil ihre materielle Existenz hängt davon ab, ob diese Themen gerade auf der Agenda feministischer/fortschrittlicher Aktivist*innen stehen. Oft genug erfahren indigene Organisationen, dass sie kein Mitspracherecht haben, ihre Stimme nicht gehört wird.

Interview mit Micaela Ico Bautista

 

Zum Programm

Anreise Mexiko-Deutschland (je nach Verbindung und Preis) zwischen dem 14.-17.9. 2023

Zwischen dem 18.9.2023 und dem 30.9 verschiedene Veranstaltungen in Deutschland

Bisher angedacht sind:

  • Stuttgart 16.9.2023 ganztägig im Mütterzentrum MüZe(MüZe Heslach am 16.9.2023 ganztägig)
  • Tübingen
  • Wiesbaden
  • Nürnberg (angefragt)
  • (wir könnten noch 2 weitere Orte in Süddeutschland mit einplanen)
  • Dann Weiterreise nach Südfrankreich
  • Über Basel
  • 1.10- 12.(13. Oder 14.) 10. 2023
  • Longo Maii Grande Neuve
  • Forcalquier
  • Marseille
  • Rückflug nach Mexiko von Marseille

Themen (erweiterbar)

  • Wie ist die Situation der traditionellen Geburtshilfe in Chiapas, welchen Schwierigkeiten sehen sie sich gegenüber?
  • Welche Programme gegen die Arbeit der traditionellen Maya Hebammen machen Euch gerade sehr zu schaffen?
  • Wie ist die Situation der Organisation OMIECH?
  • Wie sind ihre Erfahrungen auch aktuell während der Corona- Pandemie
  • Wie sind ihre Erfahrungen mit den großen Pharmafirmen, aber auch in Bezug auf die Äcker, das Wasser, das Land der indigenen Gemeinden
  • Welche Beziehungen zwischen Maya Hebammen und Hebammen hier gibt es?
  • Welche Erwartungen habt ihr an uns Menschen in Deutschland- Wie können wir eure Arbeit unterstützen?
  • Was bedeutet Cosmovision Maya für eure Arbeit, euer Leben?

Für den Organisationskreis

Doris Braune und Mathilde Berguerand (Weitere Mitstreiter*innen sind herzlich willkommen)

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Kontakt:
info@bellis-frauenschule.de
info@bellis-verlag.de