Am 19.12.2025 fand eine Sendung im ZDF-Magazin Royale des Jan Böhmermann statt, die in demagogischer Weise Heilpraktiker*innen aufs Korn nahm. Was bedeutet Demagogie? Laut dem Duden ist es politische Hetze, eine Methode, durch Schüren verbreiteter Emotionen und Vorurteile Menschen- und Berufsgruppen abzuwerten. Ich habe mir die Sendung angesehen und finde, dass der Fernsehrat sich meiner und sicher auch anderer Beschwerden zu Herzen nehmen sollte. Da politische Hetze nie folgenlos ist, teile ich anbei meine bislang nicht beantwortete Beschwerde beim Fernsehrat:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich möchte meinem Entsetzen Ausdruck verleihen darüber, dass Sie eine Sendung mit Jan Böhmermann stattfinden ließen mit hetzerischen, reißerischen Fehlbehauptungen über meinen Berufsstand.

Ich schreibe Ihnen von meiner Praxisadresse. Ich bin Heilpraktikerin seit 1994 und genauso lange  aktiv in der Frauengesundheitsbewegung, unter anderem als Vorständin des Bundesverbandes der Frauengesundheitszentren in Deutschland, sowie dem Feministischen Frauen*gesundheitszentrum Stuttgart e.V. Ich bin Autorin von Fachbüchern zum Thema Frauengesundheit (www.bellis-verlag.de) und ebenso seit 30 Jahren häufig Referentin zu Themen der Frauengesundheit.

Ich bin entsetzt, was für eine Sendung mit Jan Böhmermann im ZDF am 19.12.2025 stattfinden konnte, bei der es sich um eine bloße Aneinanderreihung von dümmlichen Klischees, Diffamierungen und Diskreditierungen unseres Berufsstandes und eindeutig falschen und diffamierenden Behauptungen handelte. Diese Sendung könnte man als Beispiel für Hass im Netz heranziehen.

Um ein paar Fakten zu nennen (die für eine Sendung mindestens auch recherchiert und benannt werden sollten):

Laut KI: In Deutschland praktizieren aktuell rund 47.000 Heilpraktiker, die täglich etwa 128.000 Patienten behandeln und in ungefähr 47.000 Praxen tätig sind, wobei die Zahl seit einigen Jahren stabil ist und die Heilpraktiker einen wichtigen Teil der Gesundheitsversorgung darstellen, trotz unterschiedlicher Verbände und der Herausforderungen der Prüfung.

Und um nur einige der diffamierenden Behauptungen von Jan Böhmermann zu benennen.

Er hat immer wieder im demagogischen Stil rumgeschrien und auf das Cover eines Buches geklopft „Heilpraktiker für Dummies“. Er behauptete, Heilpraktiker würden sich nur mit diesem Buch auf die Prüfung vorbereiten und mit ein paar Multiple Choice Fragen und einer kurzen mündlichen Prüfung dürften sie dann praktizieren und zwar bei allen Erkrankungen. Laut meinen Recherchen handelt es sich dabei um ein Buch, mit dem sich Menschen, die eine Heilpraktiker-Schule besucht haben, nochmal intensiv auf die Prüfung vorbereiten können. Laut Online Beschreibung steht in der Buchbeschreibung folgendes „Sie haben Ihre medizinische Grundausbildung zum Heilpraktiker fast abgeschlossen? Sie wollen sich nun auf die schriftliche und mündliche Prüfung vorbereiten und den prüfungsrelevanten Unterrichtsstoff erarbeiten? Für Ihre Prüfung ist es wichtig, das erlernte Wissen aus Ihrer Heilpraktiker Ausbildung zu verknüpfen, nach Symptomen zu ordnen und die pathologischen Hintergründe übergreifend zu verstehen und zu differenzieren. In diesem Buch finden Sie zahlreiche typische Prüfungsfragen und passende Herangehensweisen. So vorbereitet werden Sie die Fragen schnell und richtig beantworten können.“

Als ich mich vor über 30 Jahren nach zweieinhalb Jahren berufsbegleitender Ausbildung (zweimal wöchentlich von 18.00 Uhr – 21.30 Uhr und alle 14 Tage den ganzen Samstag) endlich wagte, mich zur Prüfung anzumelden, hatte ich zusätzlich zum Unterricht die doppelte Zeit für das Selbststudium und die Nacharbeit des Unterrichts verbracht, wie auch alle anderen, die am Unterricht teilnahmen. Viele hatten die Prüfung nicht bestanden trotz zum Teil entsprechender Vorkenntnisse. Eine Freundin von mir, gelernte Krankenschwester beispielsweise bestand die Prüfung nicht.

Auch hier empfiehlt sich nachzuforschen, was es mit der Prüfung auf sich hat.

Übersicht mit KI: Die Durchfallquoten bei der Heilpraktiker Prüfung sind verhältnismäßig hoch, oft werden nur 20 bis 30 Prozent der Prüflinge bestehen, oder es bestehen weniger als 50 %, wobei die Quoten stark je nach Bundesland und Vorbereitung variieren; manche Schätzungen gehen sogar von bis zu 75 % Nichtbestehenden aus, was die Prüfung zu einer großen Hürde macht, da die Ausbildung nicht einheitlich geregelt ist und die Anforderungen hoch sind. Hohe Durchfallquoten: Es gibt keine festen offiziellen Zahlen, aber Schätzungen reichen von 20-30 % Bestehenden bis zu 75 % Nichtbestehenden. Hohe Hürde: Die Prüfung gilt als eine der schwersten Berufsprüfungen in Deutschland, da es keine Zugangsbeschränkungen gibt und die Ausbildung nicht standardisiert ist.

In einer Heilpraktiker-Ausbildung muss in etwa der Stoff gelernt worden sein, den Medizinstudierende im Physikum, nach 4 Semestern beherrschen. Der meiner Meinung nach inhaltlich einzig richtige Satz aus Jan Böhmermanns Mund war, dass die Überprüfung (durch das jeweilige Gesundheitsamt) im Wesentlichen das an Universitäten gelehrte Medizinwissen prüft und die jeweilige vielleicht später praktizierte Therapie wenig Raum einnimmt in der Überprüfung, jedoch werden selbst zu den einzelnen Fachrichtungen wie der Homöopathie, der Phytotherapie etc. Grundkenntnisse abgefragt.

Aber selbst da kam aus Jan Böhmermanns Mund im Wesentlichen Geschwurbel. Der größte Teil der Heilpraktiker schließt sich einem Verband seiner Fachrichtung an und ist Mitglied in einem Berufsverband. Dort werden spezifische Fortbildung in der jeweiligen Fachrichtung angeboten und auch eingefordert. Ich hatte beispielsweise wenigstens 1500 Stunden Weiterbildung in klassischer Homöopathie und das weiß ich auch von meinen Kollegen und Kolleginnen aus anderen Therapierichtungen wie der Traditionellen Chinesischen Medizin, der Ayurvedischen, der europäischen Phytotherapie, Kinesiologie, Dorn Preuss usw. usw. Es liegt auch im Interesse der Verbände, gut ausgebildete Mitglieder zu haben.

Eine weitere Lüge von Jan Böhmermann ist seine Behauptung, wir Heilpraktiker würden krebskranke Patienten und Patientinnen behandeln und ihnen ausreden, die schulmedizinischen Therapien in Anspruch zu nehmen. Nach unserer Berufsordnung ist es untersagt, im Falle von schweren fortschreitenden Pathologien wie Krebs die Patienten zu behandeln anstelle der angebotenen Therapie. Allerdings ist es uns natürlich erlaubt und es wird von Seiten vieler Patient*innen gewünscht, die Behandlungen in den Krankenhäusern zu begleiten durch ganzheitliche Therapieansätze. So kann beispielsweise eine notwendige Bestrahlung bei einem Analkarzinom solche schwerwiegenden Folgen haben, dass der Bereich im Damm- und Genitalbereich zu einer offenen Wunde wird und dann auch nicht weiter bestrahlt werden kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass bestimmte homöopathische Mittel die Selbstheilung so zu aktivieren vermochten, dass der offene Bereich heilte und die Bestrahlung fortgesetzt werden konnte. Aber kein Mensch zwingt eine Krebspatientin, diese Begleitung in Anspruch zu nehmen, allerdings ist es sehr perfide, wenn ein Herr Böhmermann und sie als Sendeanstalt sich anmaßen, Patient*innen diese Begleitung zu untersagen. Im Übrigen bietet das früher homöopathische Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart (Von Robert Bosch als homöopathisches Krankenhaus gestiftet) ihren Krebspatient*innen auch heute noch eine Begleitung der massiv belastenden Krebstherapien an durch homöopathisch ausgebildete Ärzt*innen.

Leider hat es den Fall gegeben, dass vereinzelt, an einer Hand abzählbar, sich Heilpraktiker anmaßten, die Behandlung solcher schwerkranker Menschen anstelle der im Krankenhaus angebotenen, zu übernehmen, aber wie viele Kolleginnen und Kollegen der 47 000 HPs betraf dies? Handelte es sich um einen, zwei, drei Fälle?  Wenn sich ein Anästhesist, ein Endokrinologe, ein Onkologe, ein Nephrologe, ein ganz normaler Hausarzt (ich habe anbei nicht gegendert) fehlerhaft verhält, wird dann der ganze Berufsstand der Ärzte und Ärztinnen an den Pranger gestellt? Strafrechtlich falsches Verhalten gehört vor Gericht, erlaubt aber nicht die Diskreditierung eines Berufsstandes.

Völlig ohne jegliche Sachkenntnisse zeigte sich Jan Böhmermann in Bezug auf Medikamente und Therapien aus dem Bereich der Naturheilkunde, die allesamt eine lange Tradition in der Volksheilkunde vieler Länder haben. So hat er sich lustig gemacht über das blutige Schröpfen. Laut Wikipedia gehört Schröpfen zu den ältesten bekannten Therapiemethoden und bei Gesprächen mit Frauen aus dem Iran, Irak und Afghanistan zeigte sich, dass ihnen diese Therapien aus ihrer Heimat bekannt waren. Schröpfen (arabisch: Hijama) ist eine uralte, ganzheitliche Methode zur Behandlung verschiedener Krankheiten. Obwohl der genaue Ursprung der Schröpftherapie umstritten ist, ist ihre Anwendung in frühen ägyptischen und chinesischen Medizinpraktiken dokumentiert.

Auch beim Thema Medikamente zeigte sich schieres Nichtwissen von Jan Böhmermann und das in diffamierender und diskreditierender Weise vorgebracht, indem er abfällig sprach über Medikamente mit Schnecke. Als ich ein Kind war, praktizierten meine damaligen Hausärzt*innen sowohl „Schulmedizin“ oder ich kann es auch Allopathie nennen, als auch Homöopathie, sie beherrschten Anwendungen wie blutiges und unblutiges Schröpfen, sie verwendeten Blutegel, sie verschrieben Hustensäfte bei Keuchhusten, der auch Schneckenschleim enthielt. Übrigens geht dieser Hustensaft auf traditionelle Medizin der Sinti und Roma zurück.

Ich weiß nicht, ob Ihnen klar ist, was die Grundlage vieler heute verwendeten Medikamente ist?  Nur ein Beispiel: „Beim AstraZeneca-Impfstoff dient ein für den Menschen angeblich harmloses Schimpansen-Adenovirus als Vektor. Diese Trägerviren werden auf menschlichen Zellen gezüchtet – in diesem Fall sind es sogenannte HEK-293-Zellen. Etwa 10.000 bis 100.000 Viren können laut Stefan Kochanek auf einer einzigen menschlichen Zelle heranwachsen. „Die Zellen werden dann „geerntet“, die Viren freigesetzt und dann in Filtrationsschritten und weiteren Trennverfahren wie Chromatographie von den Zellproteinen befreit“ erklärt den Genmediziner. Es soll möglichst nur das „saubere“ Virus in den Impfstoff gelangen.“

Und viele Medikamente, die heute verschrieben werden, waren und sind Medikamente auf Basis von Tierprodukten und umfassen wichtige Wirkstoffe wie: Heparin (aus Schweinedärmen), verschiedene Hormone (z.B. Schilddrüsenhormone, Kortison aus Nebennierenrinden), Insulin (historisch aus Bauchspeicheldrüsen), bestimmte Impfstoffe, monoklonale Antikörper und sogar Bestandteile aus Tiergiften (z.B. bei Krebsforschung). Sie werden oft von Tieren wie Schweinen, Rindern und Schafen gewonnen, aber moderne biotechnologische Verfahren ermöglichen auch synthetische Alternativen, wobei tierische Komponenten in vielen Arzneimitteln bleiben.  Als Beispiel Heparin: Ein Blutgerinnungshemmer, der aus der Darmschleimhaut von Schweinen gewonnen wird. Insulin: Wurde früher aus Bauchspeicheldrüsen von Schweinen oder Rindern gewonnen, heute meist biotechnologisch hergestellt. Schilddrüsenhormone (z.B. Armour Thyroid): getrocknetes Schilddrüsenhormon von Tieren. Kortison: Bis in die 1940er Jahre aus Nebennieren von Rindern gewonnen, heute meist synthetisch. Pankreatin (z.B. Creon): Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen für Verdauungsstörungen. Monoklonale Antikörper: Werden oft in tierischen Zellen (z.B. CHO-Zellen) produziert, um menschliche Proteine herzustellen. Impfstoffe: Manche enthalten Bestandteile tierischen Ursprungs oder werden in tierischen Zellkulturen hergestellt.

Tierische Produkte in der Forschung und Entwicklung:

  • Tierversuche: Ermöglichten die Entwicklung von Insulin, Antibiotika, Impfstoffen und chirurgischen Techniken.
  • Tiergifte: Werden erforscht, um neue Wirkstoffe zu finden, wie z.B. Skorpion- oder Schlangengifte in der Krebsforschung.

Wichtig: Während viele Medikamente heute synthetisch oder biotechnologisch hergestellt werden, sind tierische Produkte in der Pharmazie nach wie vor relevant, insbesondere bei älteren Medikamenten oder zur Gewinnung bestimmter Grundstoffe. Für einige Medikamente gibt es tierfreie Alternativen, was für Veganer oder Menschen mit Allergien wichtig ist, betont die Pharmazeutische Zeitung.

Ich stelle an Sie, das ZDF die Frage, was ist der Grund, einem Herrn Böhmermann eine Plattform im ZDF zu geben, die nur so von Diffamierung und Diskreditierung strotzt, in der keine einzige seiner Behauptungen und reißerischen Darstellungen den Tatsachen entsprechen. Ich hätte gerne eine Antwort von Ihnen, die konkret auf all die genannten Punkte eingeht. Meines Wissens nach ist es Ihnen als Öffentlich-rechtlicher Fernsehsender untersagt, Sendungen in die Welt zu bringen, die ausschließlich auf einseitige, falsche und diskreditierende Behauptungen aufgebaut sind. Ich fordere Sie auf, diese Sendung unverzüglich aus der Mediathek zu entfernen.

Mit freundlichem Gruß

Doris Braune